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17.08.2022

Erstnachweis für Schleswig-Holstein: Alopecosa schmidti

Nachweis per Bodenfalle im Fangzeitraum 02.08–17.08.2022 in den Herrnburger Dünen, Lübeck (NSG Wakenitz).

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Habitat: Trockene Binnendüne – Fallen im Vordergrund

Diese Art wird erheblich größer als die bislang für Schleswig-Holstein bekannten Arten von Scheintaranteln der Gattung Alopecosa. Ihr bislang bekannter Verbreitungsraum in Deutschlands liegt ausschließlich im Bereich der ehemaligen DDR von Thüringen bis Mecklenburg-Vorpommern. Vermutlich breitet sich diese warme Offenstandorte liebende Art mit dem Klimawandel weiter aus, wie es auch bei anderen Arten zu beobachten ist.

Anfang September ging ein Weibchen in die Falle. Es hat mit 15,4 mm die bloße Körperlänge eine Hauswinkelspinne und ist damit definitiv die größte Wolfspinnenart, die aktuell in Schleswig-Holstein vorkommt. Weibchen von Alopecosa schmidti können bis zu 18 mm groß werden (Beine zählen nicht mit).


02.08.2022

Fallen suchen, Teufelsabbiss finden

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Feuchtheide im Duvenstedter Brook

Ich habe Fallen zur Erfassung von Spinnen im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook stehen. Kurz vor Fallenwechsel wurde mir bekannt, dass eine mit Fallen bestückte Feuchtwiese gemäht werden sollte (das Bild zeigt eine andere beprobte Fläche). Um eine Zerstörung der Fallen zu verhindern, wurden die Fallen mit dem Zweck diese zu markieren, gesucht.

Die Fallen wurden nicht gefunden, aber statt dessen blühender Teufelsabbiss entdeckt. Diese in Hamburg vom Aussterben bedrohte Pflanze wurde vor vier Jahren hier anzusiedeln versucht. Ihr Nachweis führte dazu, dass die betreffende Feuchtwiese bis zu Ausblüte erstmal gar nicht gemäht wird.

So werden Arachnologen zu Helfern des Naturschutz. Es lohnt sich eben oft, genauer hinzuschauen. Gerade in so atemberaubenden Gebieten wie dem Duvenstedter Brook.


14.07.2022

Fallen-Leerung 2.0!

Sichere Probenerfassung

In der Vergangenheit habe ich immer wieder Falleninhalte verloren, weil ich im Gelände Zahlen falsch abgelesen oder mir Zahlendreher leistete (wenn es eine Probe 14 und 41 gibt, sind beide Proben nach Zahlendreher nicht mehr zuzuordnen). Gerade, wenn man den ganzen Tag im Gelände ist und langsam ermüdet. Wenn eine Probe nicht mehr zuzuordnen ist, kann deren Inhalt nur weggeworfen werden; allein dies ist ärgerlich. Der Verlust der Proben an sich ist noch schwerwiegender, weil es das Gesamtergebnis beeinflusst.

Nicht erst seit gestern gibt es maschinenlesbare Lösungen; sprich: Barcode und QR-Code. Einen QR-Scanner kann sich jeder praktisch für „lau“ auf seinem Smartphone installieren. Warum diese vorhandene (!!!) Technik nicht nutzen? Was nur noch fehlt, sind Fallen- und Probenbehälter-Aufkleber mit Barcode.

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Probengefäße mit QR-Code

Dafür habe ich mir an einem Vormittag eine kleine Lösung programmiert: https://sh-spinnen.de/qr.php. Wenn man diesen URL einfach so aufruft, werden Etiketten mit der Kennung „A001“ bis „A071“ angezeigt – dieses Blatt kann man ausdrucken und Probendeckel damit bekleben (siehe Foto). Natürlich geht mehr! Folgende Parameter können angegeben werden:

  • abc= für einen anderen alphanumerischen Zeil als ‚A‘; ein Minuszeichen bewirkt hier dass kein alphanumerischer Teil gedruckt wird
  • size= ddd – hier muss eine Zahl für die Breite des QR-Codes angegeben werden. Auf die Schriftgröße hat das keinen Einfluss
  • start= ddd – andere Startnummer anstatt ‚1‘
  • anz=ddd – Anzahl der ausgegebenen Barcodes (spart Tinte, wenn man nur wenige benötigt)

Anmerkung: ddd steht für Zahl

Das ist eine schnelle Lösung ohne viel Komfort. Wenn die Ausgabe zu groß ist, existiert folgender Workaround: Mit skalierter Größe (z.B. 50 %) als pdf-Drucken und dann später von dieses PDF drucken oder direkt beim Drucken auf 50 % skalieren.

Fallen-Etiketten kann man damit auch drucken; hier ein Beispiel für Bodenfallen am Fallenstandort 1 im NSG Borghorster Elblandschaft (BEL): https://sh-spinnen.de/qr.php?abc=BEL.1%20BF%20&size=300&anz=2 (%20 steht für Leerzeichen). – Hier muss das Resultat beim Drucken auf 50 % skaliert werden, um den Aufkleber in geeigneter Größe zu drucken.


07.07.2022

Angabe von Funddaten

Der Nachweis einer Art ist wissenschaftlich ziemlich wertlos, wenn dieser nicht mit Fundortdaten verknüpft ist.

Absolutes Minimum an Funddaten:

  • Datum
  • Ort

Bei historischen Nachweisen ist der Ort rein textlich formuliert, aber nach 100 Jahren lassen sich solche Ortsangaben leider nicht immer zweifelsfrei (oder überhaupt!) zuordnen. Deshalb verwendet man heute Koordinaten.

Koordinaten sind aber nur dann genau, wenn man deren Bezugspunkt („Kartendatum“ genannt) mit angibt. Wenn man die üblichen Webkartendienste (z.B. maps.Google oder Bing (Microsoft)) benutzt, ist der Bezugspunkt „WGS 84“, mit dem ich arbeite.

Zu jedem Fundort wird schlussendlich, wenn er im Atlas der Spinnentiere eingetragen wird, auch ein Radius mit eingestellt und angezeigt. Nicht jeder möchte sein Wohnhaus in so einem Kontext veröffentlichen, deshalb dies bitte auf diesen Wunsch bei der Übermittlung der Daten hinweisen. Dann geben wir im Atlas einen großen Radius mit Koordinaten z.B. der nächsten Straßenkreuzung an.

Heute sieht ein üblicher Datensatz so aus

  • Datum
  • Artname
  • Ort
  • Koordinaten mit Kartendatum
  • Biotop
  • Methode: Fotonachweis, Handfang, …
  • leg: Name der Finderin/des Finders
  • det: Name der Bestimmerin/des Bestimmers

06.07.2022

Soll Dein Lebenswerk im Müll landen?

Appell an alle, die eine Sammlung unterhalten: Bitte Proben etikettieren!

Klar ist es am einfachsten, eine Nummer auf einen Probendeckel zu schreiben, welche mit einer Tabelle verknüpft ist. Im Todesfall jedoch, kann niemand wissen, wo sich die Daten zu diesen Nummern befinden. Hinterbliebene haben ganz andere Sorgen, als nach sowas zu recherchieren. So eine Schenkung wird jedes Museum ablehnen.

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Kryptische Sammlung aus dem Nachlass eines verstorbenen Arachnologen. Foto: © Jonathan Neumann

Sicher: Etikettieren ist lästig. Allein das Drucken von Etiketten kann sehr kompliziert sein. Einfach zu handhabende Etikettendruckprogramme sind mir nicht bekannt. Etikettieren mit MS-Word macht keinen Spaß. Trotzdem sind aussagefähige Etiketten für Sammlungen unverzichtbar. Leserlich (!!!) mit Bleistift beschriftete Etiketten in den Proben wären ideal; alternativ geht auch Skriptol-Tinte (das hat man ja heute nicht mehr). Etikettendruck ist zudem ein weiteres spezielles Thema. Laserdruck sieht gut aus, aber je nach verwendetem Papier lösen sich die Buchstaben früher oder später vom Papier und alle Daten sind verloren. Tintenstrahldrucker mit Pigmenttinte (z.B. Typen der Canon Pixma-Serie) sind die bessere Lösung. Das Druckpapier muss säurefrei sein.


29.06.2022

Dysdera crocata als Beute von Parasteatoda tepidariorum

Meine Kollegin Dr. Nicole Frigge beglückt mich mit zunehmender Begeisterung mit Fotos von Spinnen. Am 29.06.2022 entdeckte sie im Netz von Parasteatoda tepidariorum, das sie schon länger beobachtet, eine Spinne als Beute.

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Foto: © Dr. Nicole Frigge

Es war nicht einfach, den Anfangsverdacht Dysdera crocata genital/taxonomisch zu bestätigen; die Beinbestachelung war untypisch (Stacheln der Coxae fehlten) und die Genitalien dieses haplogynen Weibchens waren nicht besonders ausgeprägt. Schlussendlich gab die ventrale Bestachelung von Bein IV die Bestätigung, dass die Beute die vermutete, in SH selten nachgewiesene Art, D. crocata ist.


24.06.2022

Vom Aussterben bedrohte Art Piratula latitans in den Herrnburger Dünen nachgewiesen

Laut Roter Liste in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohte Art in den Herrnburger Dünen gefunden. Allerdings nicht in den dortigen Binnendünen, sondern auf einer Feuchtwiese nahe dem Landgraben – laut Biotopkartierung „Mäßig nährstoffreiches Nassgrünland“ (GNm).

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Alkoholpräparat dieser kaum 5 mm großen Art

Die Art im Wiki der AraGes: Piratula latitans


23.06.2022

Erfahrungen im Spinnenfang mit Farbschalen

Natriumbenzoat ist ein Konservierungsmittel für Lebensmittel und deshalb ungiftig. Es ist als Granulat handelsüblich.

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Natriumbenzoat-Granulat

Für Fangflüssigkeit gibt man 100g auf einen Liter Wasser. Im Gelände haben sich wegen des Gewichts 5 l-Kanister zum Auffüllen der Farbschalen bewährt; also 500g Natriumbenzoat auf 5 l Wasser plus einen Spritzer Spülmittel zur Oberflächenentspannung.

Es hat sich gezeigt, dass Farbschalen für Spinnen ausgesprochen fängig sind, wobei die Farbe der Schale keine Rolle spielt – das vereinfach den Einkauf preiswerter Schüsseln. Ich verwende Kimmel-Schüssel (gelbe kosten Stück 4,50 €, weiße 1,50 €), also verwende ich weiße. Trotz ihrer steilen Außenwände kann man leider nicht ganz vermeiden, dass Eidechsen in die Fallen gelangen und darin ertrinken – insbesondere bei Standorten in hohem Gras.

Um nicht zu viele Fluginsekten zu fangen, verwende ich Plexiglasdächer (wie bei meinen Bodenfallen). Hier hat es sich gezeigt, dass bei 14-tägiger Fallenleerung diese auf feucht-kühlen Böden normal geleert werden können (Schneckenproblematik außenvor), auf trocken-heißen Böden bei warmen Außentemperaturen, die Fallen jedoch austrocknen.

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Schale anderer Bauart mit eingetrockneter Probe

Allein dies bedeutet keinen Verlust. Man kann das zu einer Platte getrocknete Natriumbenzoat vorsichtig zerbrechen und mitnehmen.

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Getrocknetes Natriumbenzoat im Wechslegefäß

Daheim kann man die Probe dann einfach mit Wasser auffüllen, in welchem sich das Natriumbenzoat dann wieder löst und die Tiere frei gibt. Dass muss nicht mal über Nacht geschehen, weil der Lösungsprozess ziemlich schnell vonstatten geht.

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in Wasser gelöste Probe in der Leseschale

Nachtrag

Nach nunmehr längerer Anwendung hat es sich gezeigt, dass sich insbesondere eingetrocknete, später wieder gelöste Tiere, dunkel verfärben. Es wäre besser, in warmen Jahreszeiten, den Fallenwechsel-Intervall kürzer zu halten, da ja auch keine Tiere gefangen werden können, wenn die Fangflüssigkeit eingetrocknet ist; das geht aber nur, wenn die Wege dorthin nicht sehr lang sind.


18.05.2022

Spinnen. Alles, was man wissen muss

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Als Non profit-Projekt haben Wolfgang Nentwig und weitere Mitstreiter nun ein neues Standardwerk über Spinnen aufgelegt; erschienen im renommierten Springer-Verlag. Mit dem Erlös werden die Bestimmungsseiten für Spinnen araneae und der Wold Spider Catalog unterstützt. Mit jedem Erwerb des Buches unterstützt man eine international gute Sache!

Nicht ganz ohne Stolz muss ich zugeben, dass ich ein von allen Autorinnen und Autoren signiertes Exemplar gratis bekommen habe, weil ich ein Foto der Brückenkreuzspinne Larinioides sclopetarius (Seite 216) beigesteuert habe. Ich habe aber auch schon ein selbst gekauftes Exemplar verschenkt.

Das Buch ist in einer deutschsprachigen und in einer englischsprachigen Version erschienen.


26.03.2022

Wie eine Spinne verschickt wird

Eine kleine Anleitung

Diese Anleitung richtet sich an Laien, die sonst nichts mit Probenversand zu tun haben. Gutachterbüros usw. wissen, wie Proben zu versenden sind und haben entsprechend geeignetes Material und Know-How.

Wenn eine spektakuläre Art gefunden wurde, z.B. eine vermutete Giftspinne in einem Supermarkt in der Bananenlieferung oder ähnlichem wird mir das Tier in der Regel über das LLUR1) angeboten. Oder sonstige potentiell interessante Arten. Vorsorglich mache ich darauf aufmerksam, dass mir nicht jeder einfach ein Tier schicken darf. Kostenlos bestimme ich nur Angeforderte Tiere. In allen anderen Fällen sind mit mir vorher die Bedingungen einer Dienstleistung abzustimmen.

Bitte keine lebenden Tiere verschicken. Zur Bestimmung muss das Tier ohnehin getötet werden. Lebend verschickte Spinnen weben sich meistens ein, was für die Bestimmung eher ein Hindernis darstellt und schlussendlich mehr Arbeit bereitet. Zum Töten und Konservieren wird das Tier einfach in ein mit verdünntem Alkohol gefülltes Gefäß gegeben. Bitte dafür klaren Schnaps verwenden, der nicht mehr als 70 Vol.% Alkohol enthält. Klarer Trinkschnaps (39 Vol.%, z. B. Gin, Korn, ...) reicht für den Versand aus. Als Gefäß bitte ein auslaufsicheres, möglichst kleines Gefäß benutzen (notfalls einen Flachmann) und so verpacken, dass das Gefäß auch bei ruppiger Behandlung durch das Versand-Unternehmen (DHL, Hermes o.ä. – möglichst nicht UPS2)) nicht zerbrechen kann.

Die bestimmten Tiere kommen im Regelfall in die Arachnologische Sammlung am Zoologischen Museum Hamburg. Sie werden also nicht weggeschmissen.

Probenbeschriftung

Es werden grundsätzlich folgende Angaben benötigt:

  1. Datum des Fundes
  2. Ortsname
  3. Koordinaten (z.B. von Google-Maps, Bing-Karte o.ä.)
  4. Biotop (z.B. „im Supermarkt, Bananenkiste” o.ä.)
  5. Näheres zu den Fundumständen, wenn möglich
  6. Name des Finders

Normalerweise wird das Probenetikett mit der Probe in den Alkohol gegeben, aber wenn es sich nur um ein Tier handelt, reicht es aus, diese Angaben per E-Mail mitzuteilen.

Zieladresse

Wird im Vorwege mitgeteilt.

1: LLUR = Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
2: Nicht, weil ich meine, dass UPS besonders rabiat mit Sendungen umgeht, sondern weil es für mich schwierig ist, an die Sendung zu kommen, wenn ich nicht da bin.


01.01.2022

Glück gehabt im Freiland

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Links im Bild: Farbschale mit Abdeckung

Bei meiner ersten Fallenleerung im neuen Jahr (am 01.01.2022) musste ich feststellen, dass ich bei der Leerung 20 Tage zuvor hatte ein volles Gefäß Spinnen (und Beifänge) versehentlich hatte im Gelände stehenlassen. Zu meinem Glück stand es noch da, als hätte ich es gerade erst dort abgestellt. Auch wenn die Hundehalter in Hamburg das NSG abseits der Wege betreten, stiefeln sie vermutlich nicht durch Feldgehölze. So blieb der Fang dort unentdeckt und konnte ein paar Wochen verspätet noch ausgewertet werden.

Zum Foto: Das Bild zeigt eine zum Spinnenfang aufgestellte Farbschale – typischerweise werden mit Farbschalen benutzt, um blütenbesuchende Fluginsekten zu fangen. Farbschalen sind aber auch für Spinnen stark fängig. Fluginsekten sind da nur Beifang. Ein Dach schützt vor Regen und vielleicht auch vor einer gewissen Zahl an Fluginsekten. Trotzdem kommen Fluginsekten hinein (vor allem Mücken und Fliegen), aber vermutlich in reduzierterem Umfang als ohne Dach.

Kleiner Nachtrag:
Es hat sich tatsächlich gezeigt, dass durch das Dach Bienen, Wildbienen, Hummeln und Wespen ferngehalten werden.


19.09.2020

Erneuter Nachweis des Gestreiften Gelbbeinwebers (Improphantes decolor)

Ziemlich genau 5 Jahre nach dem Erstnachweis konnte diese Art im selben Umfeld (bei Göttin, Herzogtum-Lauenburg) erneut nachgewiesen werden. Damit ist das Vorhandensein einer reproduktiven Population sehr wahrscheinlich. Ein sehr wichtiger Nachweis somit.


16.09.2020

Neuer Nachweis der Tapezierspinne Atypus affinis

Bis dato ist aktuell nur ein Vorkommen dieser kolonienbildenden Art in Burg/Dithmarschen bekannt. Ein älterer aus einem Garten in Plön stammt aus den 1950er Jahren (Heydemann 1960).

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Bild 1: Neuer Nachweis in pink (Position geschätzt)

Ein neuer Nachweis stammt aktuell vom Boxberg/Aukrug (leg. Olaf Niehus). Anscheinend ist diese Art im Land doch weiter verbreite als bisher angenommen.

Diese Art lebt sehr versteckt unterirdisch in einem Gespinstschlauch, von dem ein Teil oberirdisch in der Vegetation liegt. Weitere Hinweise zu dieser Art sind dem Wiki der Arachnologischen Gesellschaft zu entnehmen: wiki.arages.de.

Literatur: Heydemann B (1960): Verlauf und Abhängigkeit von Spinnensukzessionen im Neuland der Nordseeküste. – Verhandlungen der deutschen Zoologischen Gesellschaft 54: S. 431–457.


08.08.2020

Ammendornfinger in Schleswig-Holstein nachgewiesen

Am Freitag, den 07.08.2020 erhielt ich eine E-Mail von Arne Drews (LLUR) mit zwei Fotos zusammen mit der Frage, ob das der Ammendornfinger sei. Gefunden und Fotografiert wurde das Tier von Knud Schulz.

Da der Ammendornfinger, welcher eigentlich nur für besonders warme Gegenden in DE bekannt war, südlich Berlin und Brandenburg, sowie Saarland, Oberrhein- und Maingebiet, ist für Schleswig-Holstein in der Roten Liste eingestuft als „ausgestorben oder verschollen“ – das bedeutet, er muss in SH schon mal heimisch gewesen sein.

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Bild 1: Fundort: Mittelhohes trockenes Gras.

Trotz der hohen derzeitige Temperaturen von 30 Grad im Schatten, bin ich am selben Abend zum Fundort ins südöstliche ehemalige Zonenrandgebiet gefahren und habe ein Weibchen mit einer Körperlänge von fast 17 mm mitgenommen.

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Bild 2: Ein Weibchen mit Unterschlupf

Allein schon aufgrund der Körperlänge kommt keine andere Art als der Ammendornfinger (Cheiracanthium punctorium) in Betracht.


19.05.2020

Vorkommen der Echten Mauerspinne für SH bestätigt

Mitte September 2019 entdeckte ich zufällig in Geesthacht die typischen Gespinste der „Echten Mauerspinne“ an den Außenwänden der Anlieferzone eines Wirtschaftsbetriebes. Es handelt sich um typische kleine scheibenförmigen Gespinste, welche flach über Mauerfugen oder Rauputz gelegt werden. Von weitem sieht es aus wie schmutzige Flecken. Bisher ist diese Art nur aus südlicheren Teilen Deutschlands bekannt.

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Bild 1: Typische Scheibennetze an Gebäuden, rechts Nahaufnahme aus Geesthacht

Da die Spinnen im September 2019 noch unreif waren, war eine wissenschaftliche Artbestimmung nicht möglich. Aus diesem Grund bin ich Mitte Mai 2020 nochmal nach Geesthacht gefahren, um am ursprünglichen Fundort Tiere einzufangen. Nach nunmehr vorliegendem Befund genitaler Bestimmung kann bestätigt werden: Die „Echte Mauerspinne“ (Brigittea civica ) kommt reproduktionsfähig in Schleswig-Holstein vor.

Noch im September 2019 entdeckte ich ähnliche Netze an der Außenfassade eines Biomarktes in Lübeck. Auch hier entnahm ich im Mai Tiere, um diese näher zu untersuchen. Nach derzeitigem Sachstand, handelt es sich hier nicht um dieselbe Art, sondern um die „Gewöhnliche Heckenkräuselspinne“ (Dictyna uncinata ), also eine seit vielen Jahren in SH etablierte Art.


20.03.2020

Offizielle Liste der Deutschen Spinnennamen erschienen

Das war ein hartes Stück Arbeit, wie man sich vorstellen kann, wenn so viele Leute aus unterschiedlichen Ländern (DE, AT, CH) mitreden.

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31.12.2018

Spinnen des Nordens

Erstnachweise

ArtnameFundortLand
Binsenweberchen (Carorita limnaea) Im Mai 2017, aber erst 2018 bestimmt. NSG Aalbekniederung Schleswig-Holstein
Knollenköpfchen (Ceraticelus bulbosus) Im April 2018, NSG Sorwohld. In Deutschland extrem selten und in Europa nur in sehr wenigen Ländern nachgewiesen (NL, DE, PL, FI). Größere Vorkommen in Nordamerika/Alaska. Schleswig-Holstein
Schlankes Boxerweberchen (Agyneta mollis) Zuerst nur in Süd- und Nordhamburg gefunden, nach intensiver Nachsuche aber auch für Schleswig-Holstein nachgewiesen. Hamburg und Schleswig-Holstein

Wiederfunde ausgestorbener oder verschollener Arten

ArtnameFundortLand
Seggensackspinne (Clubiona juvenis) Ostufer des Blankensees. Im Schilfgürtel. Uferbegleitende Schilfbestände sind typische Fundorte dieser Art. Schleswig-Holstein

Erstnachweise aus Bulgarien

Im Mai 2018 bin ich zusammen mit zwei anderen Enthusiasten eine Woche lang quer durch Bulgarien gereist und habe Spinnen gesammelt. Zahlreiche Erstnachweise sind das Resultat (aktueller Auswertestand: 16 neue Arten). Ich werde hier darüber berichten, sobald es spruchreife Neuigkeiten hierzu gibt. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen.

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Bild 1: Solche Flüsse mit natürlich umgelagerten Kiesbetten wie am Strjama Fluss (Wikipedia) sind in Deutschland sehr selten

Meine Homepage

Nach dem ich Ende 2017 meine sh-spinnen-Seiten programmiert hatte, erwiesen diese sich in der Praxis als viel zu kompliziert konzeptioniert. Folge: Obwohl ich es wollte, konnte ich 2018 nichts veröffentlichen. Ende 2018 habe ich die Seiten deshalb überarbeitet. Weniger Skripte, viel HTML..

Den komplizierten Teil zum Abonnieren von Infos habe ich komplett entfernt. Wer Infos bekommen möchte, kann es mir persönlich Mitteilen (z.B. auf Führungen) oder mir eine E-Mail schicken. So einfach ist das. Lediglich zum Abbestellen der Infomail wird es einen Link am Ende jeder Mail geben, weil das heutzutage so üblich ist. Auch der Versand der Infomails wird automatisiert erfolgen, sobald ich neue Infos oder Termine bereitgestellt habe. So kann ich nicht vergessen, entsprechende Benachrichtigungen zu verschicken.


16.04.2017

Seltene Arten auf der Orchideenwiese in Bliestorf

Die Orchideenwiese in Bliestorf liegt am Kastorfer Mühlenbach. Am dort hin führenden Weg liegt ein Quellhang, welcher zur Wiese hin entwässert. Die Orchideenwiese wird von der Ortsgruppe Lübeck des BUND gepflegt und wird durch Mahd niedrig gehalten.

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Bild 1: Die Orchideenwiese Mitte April 2017. Im Vordergrund der Quellhang.

Ich habe auf dieser Wiese am 16.04.2017 Spinnen erfasst. Das Areal war ausgesprochen nass und der Untergrund weich. Es waren nur 5 Arten von Spinnen feststellbar, darunter zwei besonders seltene: Das Lückenköpfchen (Notioscopus sarcinatus) (Rote Liste SH: Extrem selten, R) mit 34 ♀ und die Kugelspinne Robertus arundineti (RL SH: sehr selten, D) mit 1 ♀.

Weitere Nachweise betragen folgende nach RL als sehr häufig und ungefährdet eingestuften Arten:

Den Sumpf-Nachtwolf (Trochosa spinipalpis) mit 3 ♂, sowie die beiden Baldachinspinnenarten Moor-Zierköpfchen (Walckenaeria kochi) (1 ♀) und das Schlichte Zierköpchen ( Walckenaeria vigilax) (8 ♀, 1 ♂). Anzumerken sei, dass ich Trochosa spinipalpis landesweit keinesfalls sehr häufig nachweisen konnte. Dies ist in meinen Augen entgegen dem, das in der Roten Liste steht, eine eher seltene Art im Land. Im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern ist diese Art als selten und ungefährdet eingestuft.

Literatur

  • Lemke, Reinke, Vahder & Irmler (2013): Die Spinnen Schleswig-Holsteins Rote Liste. Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein.
  • Martin D. (2012): Rote Liste der Spinnen (Araneae) Mecklenburg-Vorpommern. Ministerium für Landschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, 66 S, ISSN 1436-3402.